Etappe 22

Kultur & Geschichte

Chiemsee-Bahn

Nachdem der Chiemsee in der Mitte des 19. Jahrhunderts einen zunehmenden Anstieg des Tourismus verzeichnen konnte, wurde zügig die dafür notwendige Infrastruktur geschaffen. Dazu gehörte insbesondere die Gründung der Chiemsee-Schifffahrt im Jahre 1845 sowie der Bahnhof in Prien an der 1860 eröffneten Bahnstrecke Rosenheim–Salzburg. Als Ludwig II. im Jahr 1886 starb, ließ dessen Nachfolger Prinzregent Luitpold die Bauarbeiten am Schloss Herrenchiemsee einstellen und gab den Prachtbau für die Öffentlichkeit frei. Dadurch verzeichnete besonders die Herreninsel einen regelrechten Besucheransturm, aber auch die Fraueninsel lockte bereits damals viele Touristen an. Die Königlich Bayerischen Staats-Eisenbahnen brachten die Besucher aus München, Rosenheim und Salzburg nach Prien. Der knapp zwei Kilometer entfernte Hafen konnte vom Bahnhof Prien vorerst nur mit einem von der örtlichen Bevölkerung organisierten Fahrdienst erreicht werden, der aus Kutschen und Karren bestand. In der dörflichen Enge entstand dadurch ein erhebliches Verkehrschaos. Bereits kurz nach dem ersten großen Ansturm auf die Herreninsel beantragten der Schifffahrtbetreiber Ludwig Feßler sowie der Kommerzienrat Georg Krauß aus München noch 1886 den Bau einer schmalspurigen Lokalbahn vom Bahnhof Prien zum Dampfersteg in Stock. Planung und Ausführung erfolgten mit einem für die damalige Zeit bemerkenswerten Tempo. Die feierliche Eröffnung der Bahn fand nach weniger als 70 Tagen Bauzeit am 9. Juli 1887 statt. Bereits am nächsten Tag nahm sie den offiziellen Betrieb auf. Die Chiemsee-Bahn, die seit 1980 unter Denkmalschutz steht, erfreut sich dank ihres nostalgischen Charmes bis heute großer Beliebtheit. Für viele Besucher ist eine Fahrt wie eine Zeitreise ins Jahr 1887. Auch wenn die meisten Touristen heute mit dem Auto anreisen, nutzen viele die Bahn zu einer kleinen Vergnügungsfahrt.

Chiemseebahnweg 2 | 83209 Prien am Chiemsee

www.chiemsee-schifffahrt.de/de/chiemsee-bahn/chiemsee-bahn

Museum Torfbahnhof

Der Torfbahnhof ist ein ehemaliges Torfwerk, welches seit 1920 der Herstellung von Brenntorf, Streu-Torf, Torfmulle und Gartentorf diente. Es ist ein imposantes Industriedenkmal von etwa 17 m Höhe in Holzbauweise. Von besonderem Interesse ist die einzige, vollständig erhalten gebliebene und funktionsfähige Torfballenpresse Europas, die den Besuchern hier vorgeführt wird. Der Museumsverein Torfbahnhof Rottau e.V. hat die unter Denkmalschutz stehende Anlage 2015 gekauft und seit Gründung des Museums im Jahr 1988 die Trägerschaft dafür inne. In den Sammlungen zur Moorkunde werden die Nieder- und Hochmoore Bayerns anhand von Karten, Fotos und Pflanzen vorgestellt. Daran schließen sich Sammlungen zur Torfwirtschaft mit Arbeitsgerät beim Handtorfstich sowie mit Fahrzeugen und Maschinen des industriellen Torfabbaus an. Zum Besuch von Museum und Torfbahnhof gehört auch eine Fahrt mit der historischen Feldbahn. Die Feldbahn war das einzige Transportmittel, welches sowohl Personal als auch Torf durch das Moor transportieren konnte. Seit 1920 wurden die Strafgefangenen täglich mit einer Feldbahn vom Gefängnis in Bernau zum 2 km entfernt liegenden Torfbahnhof und von dort weitere 2 km in die Kendlmühlfilzen zum Torfstich gefahren. Die Gesamtlänge der Gleisstrecken im Moor betrug 30 km. Am Torfbahnhof wurde der Torf entweder direkt auf die Bahn verladen oder weiterverarbeitet.

Hackenstraße | 83224 Rottau

www.museum-torfbahnhof.de