Etappe 5

Kultur & Geschichte

Nußdorf am Inn

Nußdorf liegt am Fuß des Heubergs im bayerischen Inntal nahe dem Flussufer zwischen Rosenheim und der österreichischen Grenze. Nußdorfs Entwicklung lässt sich vor allem mit zwei Gewässern in Verbindung bringen. Der Inn, der hier in seinem breiten Lauf aus dem österreichischen Tirol herüberfließt, war früher eine wichtige Handelsroute. So verdienten viele Nußdorfer ihren Lebensunterhalt als Schiffer oder auch Schiffsbauer. Der malerische Ortskern aus barocken Kirchen und den ursprünglichen Bauernhäusern konnte über Jahrhunderte hinweg erhalten werden. Heute leben in Nußdorf etwa 2.600 Einwohner.

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Mühlenweg am Mühlbach Nussdorf

Bereits im Mittelalter war der Mühlbach Lebensader in Nußdorf. Zu seiner Blütezeit arbeiteten 15 verschiedene Betriebe mit der Wasserkraft, heute dient er der Stromerzeugung. Entlang dieses Triebwerkskanals zeigen bildreiche Texttafeln die vielseitige Verwendung der Wasserkraft und die Entwicklung des Ortes am Alpenrand.

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Kirche St. Leonhard Nussdorf

Kirche St. Leonhard Nußdorf

St. Leonhard am südwestlichen Ortsrand, deren Turm die Silhouette des Ortes mehr beherrscht als der der Pfarrkirche St. Vitus im Ortszentrum, ist in den Hauptteilen spätgotisch. Andreas Vordermayr aus Rohrdorf hat die alte Wallfahrtskirche nach einem Brand 1754 umgestaltet und stuckiert. Jedes Jahr am 6. November wird hier der Leonhardiritt begangen. Diese Tradition reicht bis ins 15. Jahrhundert zurück. Zunächst wird ein Feldgottesdienst abgehalten, anschließend umrunden Reiter auf geschmückten Pferden dreimal die Kirche und lassen sich und ihr Tier dabei segnen. Bis ins 18. Jahrhundert hinein gehörte die Nußdorfer Leonhardiwallfahrt zu den bedeutendsten im Inntal, danach wurde die Wallfahrt nach Kirchwald wichtiger.

Leonhardiweg 7A | 83131 Nußdorf am Inn

Plättenstadel am Inn

Plättenstadel am Inn

An der Engstelle zwischen Wildbarren und Kranzhorn verlässt der Inn den Alpenraum. Von seinem Ursprung bis hierher hat er 315 km zurückgelegt, bis zu seiner Mündung in die Donau muss er noch 204 km fließen. An dieser Stelle hat der Schiffsleutverein Nußdorf einen Plättenstadel errichtet, um an die vielfältigen Beziehungen der Menschen zum Inn und an das alte Transportgewerbe der Samer, die hier auf einer Fähre den Fluss querten, zu erinnern. Der Inn war bereits in vorrömischer Zeit ein viel genutzter Transportweg. Auch aus Nußdorf transportierte man hier hergestellte Güter wie Zement, Kalk, Gips, Holz oder landwirtschaftliche Produkte  auf dem Fluss, zum Teil über die Donau weiter bis nach Ungarn oder ans Schwarze Meer. Wer nicht in der Landwirtschaft oder in der Kalkgewinnung sein Auskommen fand, den zog es oft zu den Schiffsleuten. Verunglückte einer von diesen auf den langen und gefährlichen Fahrten war es um die Hinterbliebenen oft schlecht gestellt. Deshalb entstanden unter den Schiffleuten Bruderschaften, in deren Kasse jedes Mitglied einen Obolus einzahlte. Eine frühe Form der Sozialversicherung entstand.

Kranzhorn-Kapelle St. Josef

Kranzhorn-Kapelle St. Josef

Unmittelbar unterhalb des Gipfels befindet sich am Kranzhorn eine kleine aufwendig bemalte Kapelle aus dem 17. Jahrhundert. Einer Überlieferung nach sollen die Heiligenstatuen in der Kapelle zu Zeiten des dritten Reichs entnommen und den Berg hinuntergeworfen worden sein. Nach dem zweiten Weltkrieg fand eine Sennerin die Figur des Heiligen Josef unbeschädigt am Fuße des Kranzhorns. Die Figur wurde daraufhin vom damaligen Almwirt wieder in die Kapelle zurückgebracht und kann noch heute dort bestaunt werden.

Erl

Erl ist quasi das Oberammergau von Tirol. Die Erler Passionsspiele haben seit dem Jahr 1613 Tradition. Erl selbst gehört zu den ältesten Dörfern im Inntal. Die erste römische Besiedlung erfolgte vermutlich im 3. Jahrhundert, was der Mithrasstein in der Pfarrkirche mit der Aufschrift DIM PRO SALUTE („dem unbesiegbaren Gott Mithras zum Heil“) bezeugt. Im Jahre 788 wird Erl im Arnonischen Güterverzeichnis des Erzbischofs von Salzburg erstmalig erwähnt. Im Jahre 1504 kam Erl unter Kaiser Maximilian mit den Gerichten Rattenberg, Kitzbühel und Kufstein endgültig zu Tirol. Heute leben in Erl etwa 1.500 Einwohner.

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Kirche zum Hl. Apostel Andreas Erl

Kirche zum Heiligen Apostel Andreas Erl

Nachdem Erl aufgrund seiner Grenznähe wiederholt niederbrannte, ist die heutige Kirche bereits die siebte oder achte an dieser Stelle. Der letzte Wiederaufbau wurde erste 1828 abgeschlossen. 1980 wurde die Vorhalle im Westen angefügt. Nach außen erscheint die Kirche als einfacher, klar gegliederter Bau, dessen Zwiebelturm nach Salzburger Vorbild in der Mitte der Westfront steht. Im Inneren dagegen ist sie prunkvoll ausgestattet. Der Hauptaltar zeigt als Aufsatzbild über dem Tabernakel das Gnadenbild von Erl, eine gekrönte Kopie des Mariahilf-Bildes von Lucas Cranach im Innsbrucker Dom.

Dorf 21 | 6343 Erl | Österreich